Für uns Praktikanten der Deutschen Bibliothek gab es diese Woche eine kleine Führung durch die Kaisa-Universitätsbibliothek.
Direkt vom Eingang aus hat man einen guten Blick auf die Innenarchitektur des Hauses. Das Haus wurde erst vor sieben Jahren erbaut. Die Architekten erhielten für ihr Projekt 2013 den Staatspreis für Architektur.

Die Bibliothek sollte vor allem ein ruhiger Lernort für die Studenten sein, daher wurden die einzelnen Bereiche der Bibliothek mit Lautsprecher-Symbolen versehen, die angeben, wie laut oder leise man sich gerade verhalten darf. Allerdings achtet kaum jemand auf diese Symbole, den selbst in Bereichen, in denen laute Gespräche erlaubt sind, wollen die Studenten Ruhe haben.


Zurück in der Deutschen Bibliothek wartet viel Arbeit auf uns. Es gibt zurzeit vor allem viele Neuerwerbungen, die bearbeitet werden müssen.
Das Katalogisierungssystem ist zwar nicht ganz so kompliziert wie das der Freien Universität, jedoch gibt es in der Deutschen Bibliothek ein paar zusätzliche technische Bearbeitungen. Für mich persönlich neu ist dabei die Behandlung von Kinderbüchern. Diese werden in die verschiedenen Altersgruppen eingeteilt, zum Beispiel: gelb für „ab 3 Jahre“ oder orange für „ab 6 Jahre“.
Eine andere Neuheit ist, dass jedes Buch eine zusätzliche physische Karteikarte mit Signatur, Barcode, Titel und Verfasser erhält. Diese Karteikarte verzeichnet alle Ausleihen des Buches.
Dank des neuen Bibliothekssystems, das die Deutsche Bibliothek seit diesem Herbst hat, könnten diese Karten bald abgelöst werden, für den Übergang sollen sie jedoch noch bleiben.
Das neue Bibliothekssystem vereinfacht allerdings nicht immer alles. So saßen wir diese Woche eine gefühlte Ewigkeit an der Aufnahme einer Zeitschrift, die nicht aufgenommen werden wollte. Von einer Sekunde auf die nächste klappte es dann plötzlich trotzdem, ohne dass wir rauskriegen konnten, wo vorher das Problem lag.
Die Bibliothekssysteme scheinen also selbst im modernen Finnland ihre Pannen zu haben.
Außerhalb der Bibliotheksarbeit war meine Woche recht gefüllt. Ich besuchte das Helsinki City Museum, in dem sowohl die Geschichte Helsinkis als auch das alltägliche Leben der Einwohner betrachtet wird.
Für alle Fischliebhaber fand am Mittwoch der Fischmarkt am Hafen statt. Selbst ohne Fisch zu mögen, war es beeindruckend die vielen Fischerkutter im Hafen von Helsinki zu bestaunen.
Weitere kleinere Museen, bei denen sich ein Besuch lohnt, sind das Zeitungs- und das Architekturmuseum. Beide sind in der Nähe der Deutschen Bibliothek, so dass es sich anbot, nach der Arbeit dort vorbeizuschauen.
Am Wochenende besuchte ich Turku, die älteste Stadt Finnlands. Turku war bis 1812 auch Hauptstadt Finnlands, bis Helsinki diesen Titel übernahm.
Vom Hauptbahnhof in Helsinki aus war es eine zweistündige Zugfahrt bis Turku, was sich aber definitiv gelohnt hat.
Ursprünglich war ich auf ziemlich schlechtes Wetter eingestellt. In Finnland findet zwar zurzeit ein typischer „goldener Herbst“ statt, das heißt viele bunte Blätter und sogar etwas Sonne, aber dafür ist es eisig kalt.
Für den Samstag war eigentlich Regen angesagt, weswegen ich mir spontan ein paar Kunstmuseen in Turku rausgesucht hatte, die ich besuchen konnte, falls es draußen zu ungemütlich wurde. Doch meine Sorgen waren unbegründet – als ich in Turku ankam herrschte strahlender Sonnenschein. Erst später am Nachmittag ließen sich einige dunkle Wolken blicken, geregnet hat es während meines Aufenthalts trotzdem nicht.
Deswegen besuchte ich statt der Kunstmuseen den Domplatz und spazierte entlang des Ufers des Flusses Aurajoki, der durch Turku verläuft.

Trotzdem durfte ein Besuch in der Burg von Turku nicht fehlen.

Die Burg wurde Ende des 13. Jahrhunderts von den Schweden gebaut. Heute können Besucher sowohl eine Mittelalter- und Renaissance-Ausstellung, als auch ein Museum zur allgemeinen Geschichte der Burg besichtigen.
Ein Besuch dort ist definitiv empfehlenswert. Die 5 Stunden, die ich für meinen Ausflug eingeplant hatte, vergingen wie im Flug.